Offener Brief
an die
Nds. Kultusministerin
Elisabeth Heister-Neumann


12.08.09 Kindertagesstätten-Stadtelternrat Hannover

Kindertagesstätten-Stadtelternrat Hannover
Georg Weil (Sprecher)
Büro: Ricklingerstr. 39, 30449 Hannover
Privat: Posthornstr. 30, 30449 Hannover

Sehr geehrte Frau Kultusministerin Heister-Neumann,
sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete im Niedersächsischen Landtag,


der Kindertagesstätten-Stadtelternrat Hannover (das ist die Elternvertretung aller Kindertagesstätten in Hannover) und insbesondere der Gesamtelternbeirat der Städtischen Kindertagesstätten blicken auf mehrere schwere Wochen in Hannover zurück, in denen in den Städtischen Kindertagesstätten gestreikt wurde.

In mehreren gemeinsamen Briefen haben die Vorsitzende der Städtischen Kindertagesstätten Frau Söder und ich als Sprecher für den Kindertagesstätten-Stadtelternrat während der Streikwochen immer wieder auf die Not vieler Eltern hingewiesen und insbesondere an die beiden Tarifparteien appelliert, sich auf ein Verhandlungsergebnis zu einigen.

Im unten abgedruckten Elternbrief zur Streiksommerpause formulieren wir ein (Zwischen-?)Resümee des Streikes, aus dem klar hervorgeht, dass gravierende Versäumnisse in der Kindertagesstättenpolitik erheblich dazu beigetragen haben, dass es zu diesem Streik mit dieser Heftigkeit überhaupt kommen konnte.

Wir Eltern fordern Sie auf, von einer Politik der Verschleppung und der winzigen Trippelschritte, von denen mehr rückwärts als vorwärts gerichtet sind, endlich abzurücken und sich energisch für den qualitativen und quantitativen Ausbau der Kindertagesstätten in Niedersachsen einzusetzen.

Sehr viele Eltern fühlen sich von den Kommunen und vom Land Niedersachsen massiv im Stich gelassen, wenn es darum geht, ihren Kindern den Besuch einer Kindertagesstätte zu ermöglichen, der über den bundesweit festgelegten Anspruch auf einen vierstündigen Kindergartenplatz für Kinder ab drei Jahre hinausgeht. Und selbst dabei hapert es trotz persönlichen Rechtsanspruches, bisweilen sogar in einer so großen Stadt wie in Hannover.

Und das in einer Situation, in denen Eltern immer wieder deutlich vor Augen geführt wird, dass das traditionelle Familienmodell mit dem Vater als Alleinernährer und der tüchtigen Hausfrau, die sich ganz dem Haushalt und der Kindererziehung widmet, kaum noch Geltung hat. Bedenken Sie in diesem Zusammenhang nur einmal die Änderungen im Scheidungsrecht!

Dabei ist das Niedersächsische Kindertagesstättengesetz ausgerichtet auf einen Ausbau der Kindertagesstättenbetreuung, sieht es doch ausdrücklich einen bedarfsgerechten Ausbau der Kindertagesstätten vor.

Was wir jedoch erleben ist eine Hinhaltetaktik, ein Geeiere und das Pokern darum, wer für die Kosten aufzukommen habe. (Lesen Sie dazu den elften Absatz im unten abgedruckten Brief!)

Wir Kindertagesstätteneltern wenden uns insbesondere deshalb mit diesem Brief an Sie, um deutlich herauszustellen, dass der Notstand in den Kindertagesstätten uns Eltern sehr bewusst ist. Wir unterstützen deshalb die Kampagne der Freien Wohlfahrtsverbände "Kinder sind mehr Wert". Und wir machen Ihnen mit diesem Brief deutlich, dass wir dabei sind, dass Vertrauen in Ihre Arbeit als Ministerin, bzw. als gewählte Abgeordnete zu verlieren, die doch eigentlich zu einer Umverteilung des gesellschaftlichen Reichtums verpflichtet sind, so dass Reiche nicht immer reicher werden, und stattdessen weniger Begüterte und anderweitig Benachteiligte, alle Chancen bewahren, gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben.

Tagtäglich vertrauen wir Eltern unsere Kinder ganz verschiedenen Kindertagesstätten-Einrichtungen in Trägerschaft von AWO oder DRK bis hin zu Caritas und Diakonie an. Und wir erleben hautnah, wie die Belastungen für die Erzieherinnen und Erzieher zunehmen. Dabei begrüßen wir es, dass eine intensivere Bildungs- und Erziehungsarbeit von den Kindertagesstätten geleistet wird. Aber es reicht nicht aus, dass wir Eltern dafür die Erzieherinnen und Erzieher belobigen, eine Anerkennung muss auch von Seite der Politik kommen. Das allermindeste ist es, die Rahmenbedingungen, unter denen Kita-Arbeit heute stattfindet, deutlich zu verbessern, anstatt landesweit bestehende gesetzlich festgeschriebene Mindeststandards auch noch zu untergraben, wie es beispielsweise mit dem Modellkommunengesetz geschieht.

Besuchen Sie die Veranstaltungen im Rahmen der Kampagne der niedersächsischen Landesarbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtspflege, so z. B.:
"Bildung in Bewegung" am 3. September 2009 in der FH Hannover, Blumhardtstr. 2,
verfolgen Sie den landesweiten Aktionstag mit Forderungsübergabe an Finanzminister Hartmut Möllring am 4. September in Hildesheim und besuchen Sie die Internet-Seite: "Kinder sind mehr Wert" der Landesarbeitsgemeinschaft der feien Wohlfahrtspflege, um sich ein Bild davon zu machen, dass akuter Handlungsbedarf besteht!

Kommen Sie auch zur Diskussionsveranstaltung des Kita-Stadtelternrates Hannover am Dienstag, 15. September 2009, um 20:00 Uhr ins Haus der Jugend in Hannover, zu der wir Bundestagskandidatinnen und -kandidaten aus den beiden hannoverschen Wahlkreisen eingeladen haben!

Nehmen Sie unseren Appell beherzt zu Kenntnis und zögern Sie nicht die notwendigen Mittel für einen qualitativen und quantitativen Ausbau der Kindertagesstätten bereit zu stellen. Erinnern Sie sich beispielsweise an Ihr Versprechen noch in dieser Legislaturperiode, über den Besuch des letzten Kindergartenjahres hinaus auch den Besuch der vorangehenden Kindergartenjahre kostenfrei zu stellen! Bauen Sie die Ausbildungskapazitäten für Erzieherinnen und Erzieher qualitativ (Fachhochschulstudium!) und quantitativ massiv aus, damit der dringend notwendige Kita-Ausbau gelingen kann! Verbessern Sie den Personalschlüssel in den Kita-Gruppen! Ermöglichen Sie eine kostenfreie Versorgung der Kinder mit gesunden Mahlzeiten in den Kitas!

Gegenfinanzieren Sie nicht die Mittel dafür mit einem Abbau von Qualitätsstandards. Es führt kein Weg an zusätzlichen Investitionen vorbei und eigentlich ist es traurig, dass wir als Eltern Sie auf diese Schiene bringen müssen, anstatt dass Sie zuverlässig und mutig selbst auf diesem Weg voranschreiten und endlich positiv zur Kenntnis nehmen, dass wir Eltern auf die gute Arbeit in den Kitas vertrauen. Verspielen Sie nicht dieses Vertrauen in dem Sie versuchen den Kitabereich kaputt zu sparen und bei den Eltern den Eindruck erwecken, dass es von Politik und Verwaltung eigentlich gar nicht so gerne gesehen wird, wenn Eltern ihren Kindern den Besuch einer Kindertagesstätte ermöglichen wollen.

i. A. des Kindertagesstätten-Stadtelterrates Hannover
Hannover, 12.8.2009, Georg Weil (Sprecher)


Den offenen Brief des Stadtelternrates an den Bürgermeister der Stadt Hannover finden Sie hier . . .




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